Online Poker All-In Strategie: Equity, Fold Equity, SPR und ICM richtig nutzen

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Kurzantwort: Ein All-In ist mathematisch dann profitabel, wenn die Summe aus Showdown-Equity und Fold Equity grösser ist als das Risiko-zu-Pot-Verhältnis. In der Praxis heisst das: bei 10–15 BB Stack pushen Sie eine vorgegebene Range nach Nash, ab 20 BB werden lineare 3-Bet-Pushes selten, und in tieferen Stacks (Cash Game, 100 BB+) wird ein All-In nur mit den absoluten Premium-Händen oder als Semi-Bluff mit grossem Draw zur Standardentscheidung.
Online Poker All-In Strategie für Schweizer Casinos – Equity, Fold Equity und Push/Fold Chart

In jedem Pokerfilm gibt es die Szene: Chips fliegen in die Mitte, jemand sagt „All-In“, und die Kamera zoomt auf den Schweissfilm an der Stirn. Im echten Spiel ist ein All-In dagegen kein dramatischer Bauchgriff, sondern eine mathematisch bewertbare Entscheidung. Sie reduziert das Spiel auf zwei einfache Faktoren: Wie oft foldet der Gegner? und wie oft gewinne ich am Showdown, wenn er callt?. Genau diese beiden Variablen sehen wir uns hier ausführlich an.

Die Strategie wird vor allem in zwei Situationen relevant: als Short-Stack-Push in Turnieren (typisch < 15 BB) und als Stack-Off in tiefen Stacks im Cash Game, wo Sie mit Premium-Händen oder kombinierten Draws das gesamte Geld in den Pot schieben. Auf Schweizer ESBK-konzessionierten Plattformen (MyCasino, Jackpots und weitere) gelten dabei dieselben mathematischen Gesetze wie auf jedem internationalen Pokerraum – die Tisch-Software unterscheidet sich nur kosmetisch.

Was bedeutet All-In im Poker genau?

All-In bedeutet, dass ein Spieler sämtliche verbleibenden Chips in einer einzigen Aktion in den Pot setzt. Ab diesem Moment kann er nichts mehr „nachlegen“. Er bleibt am Pot beteiligt – aber nur in der Höhe, die er selbst bezahlt hat. Übersteigen die Einsätze der anderen Spieler diesen Betrag, entsteht ein Side Pot, an dem der All-In-Spieler nicht mehr teilnimmt.

BegriffBedeutung
Main PotPot-Anteil, den jeder Beteiligte (inklusive All-In-Spieler) vollständig abgedeckt hat. Hier kann der All-In-Spieler gewinnen.
Side PotZusätzliche Einsätze nach dem All-In. Daran nehmen nur Spieler mit grösserem Stack teil.
Effective StackDer kleinere der zwei Stacks am Tisch – mehr kann zwischen zwei Spielern nicht im Pot landen.
Stack-to-Pot Ratio (SPR)Effective Stack ÷ aktueller Pot. Bestimmt, ob ein All-In am Flop noch passt.
Fold EquityWahrscheinlichkeit, dass der Gegner auf Ihre Bet/Push foldet, multipliziert mit dem Pot.
Showdown EquityWahrscheinlichkeit, mit Ihrer Hand am Showdown zu gewinnen (oder zu splitten).
Hinweis: Im Online-Poker gibt es kein „verstecktes“ All-In: Der Push wird vom Server automatisch korrekt verteilt. Sie können nicht versehentlich mehr verlieren, als Sie am Tisch sitzen haben. Das ist anders als bei privaten Heimspielen, wo eine ungenaue Pot-Zuordnung passieren kann.

Die Mathematik hinter dem All-In

Ein All-In hat genau drei Bausteine: Pot Odds (was kostet ein Call gegenüber dem Pot), Showdown Equity (wie oft gewinnen meine Karten) und Fold Equity (wie oft foldet der Gegner). Die EV-Formel für ein All-In als Bettor lautet vereinfacht:

EV-Formel All-In (vereinfacht):
EV = FE × Pot + (1 − FE) × (Equity × (Pot + Risk) − (1 − Equity) × Risk)
FE = Fold Equity, Equity = Showdown-Equity, Pot = aktueller Pot, Risk = eigene Push-Höhe.

Equity-Tabelle: häufige All-In-Konfrontationen

Die Gewinnwahrscheinlichkeiten (Showdown-Equity) für klassische Pre-Flop-All-Ins in Texas Hold'em sind seit Jahrzehnten bekannt. Sie ändern sich nicht – nutzen Sie die Tabelle als Schnellreferenz:

Ihre Hand Gegnerhand Showdown-Sieg Bewertung
A♠ A♥K♠ K♥~ 81 %+EV crush
A♠ A♥Q♣ Q♦~ 81 %+EV crush
A♠ A♥A♣ K♥~ 92 %Dominiert
K♠ K♥A♠ K♣~ 70 %+EV
A♠ K♠Q♣ Q♦~ 46 %Coin Flip Light
A♠ K♠9♣ 9♦~ 48 %Coin Flip
A♣ Q♣A♥ K♦~ 24 %Dominiert
7♠ 7♥A♣ K♦~ 53 %Coin Flip
5♠ 5♥A♣ K♦~ 53 %Coin Flip
J♠ T♠A♣ A♦~ 22 %Klar hinten, +Implied Odds
A♠ K♥2♣ 2♦~ 50 %Race
Q♠ Q♣A♥ K♦~ 54 %+EV leicht

Beobachtung: Auch das mächtige AKs ist gegen ein mittleres Pocket Paar wie 9-9 nur ein Coin Flip. Wer ein 15-BB-Stack-AK pusht und einen Caller mit 88+ trifft, gewinnt im langen Schnitt nicht – die Profitabilität entsteht aus der Range aller möglichen Caller, plus aus der Fold Equity, falls der Gegner foldet.

Fold-Equity-Rechenbeispiel

Wie viele Folds brauchen Sie, damit ein semi-bluffender All-In profitabel wird? Beispiel-Setup: Pot = 30 CHF, Sie pushen 50 CHF zusätzlich (Risk). Mit einem Flush Draw haben Sie 35 % Equity, falls gecallt wird. Wie hoch muss die Fold Equity (FE) sein, damit EV ≥ 0?

Pot vor Push Push-Höhe (Risk) Showdown-Equity Benötigte Fold Equity Beispielhand
30 CHF50 CHF0 % (pure Bluff)~ 63 %K-hoch ohne Draw
30 CHF50 CHF20 %~ 41 %Backdoor Flush + Gutshot
30 CHF50 CHF35 %~ 24 %Flush Draw
30 CHF50 CHF45 %~ 9 %Flush Draw + Overcards
30 CHF50 CHF60 %0 %Set, Combo Draw

Ablesung: Mit einem reinen Flush Draw (≈ 35 % Equity) brauchen Sie nur etwa 24 % Folds vom Gegner, damit der Push break-even ist. Jeder Fold darüber ist direkter Gewinn. Diese Rechnung erklärt, warum Semi-Bluff-All-Ins in der Theorie so beliebt sind – die nötige Fold Equity ist überraschend niedrig.

Fold-Equity richtig berechnen: Bei reinen Bluffs gilt die simple Formel FE_min = Risk / (Risk + Pot). Sobald Sie Showdown-Equity haben, sinkt die nötige Fold Equity proportional. Wer das einmal verstanden hat, sieht, warum Profis mit Combo Draws angreifen, ohne den Showdown abzuwarten.

Wann ein All-In sinnvoll ist – Schnellübersicht

SituationAll-In sinnvoll?Begründung
Premium-Hand (AA, KK, QQ, AK)JaMaximales Value gegen schwächere Hände
Short Stack (< 10 BB)JaEinzige sinnvolle Option; Fold Equity nutzen
Semi-Bluff mit Combo DrawMeistensZwei Wege zu gewinnen (Fold oder Draw trifft)
Mittelpaar (66–TT) im MultiwaySeltenSet-Mining besser als Stack-Off
Mittelmässige Hand, tiefer StackNeinZu wenig Equity, schlechtes Verhältnis
Multiway Pot (3+ Spieler)VorsichtEquity sinkt stark mit mehr Gegnern
Pure Bluff ohne DrawSeltenNur gegen spezifische Gegnerprofile sinnvoll
Tilt nach Bad BeatNieEmotion verzerrt Range-Reads
Tilt-Falle: Statistisch sind über 60 % aller Verlust-Sessions auf eine Folge mehrerer Tilt-Pushes nach einem Bad Beat zurückzuführen. Wer sich bei einem 80 %-Favoriten den Pot aus den Händen nehmen lässt, sollte die nächsten 15 Minuten nicht All-In gehen. Stoppen Sie die Session, oder legen Sie eine bewusste Pause ein, bevor Sie wieder pushen.

Stack-Sizes und SPR – wann passt ein All-In?

Das Stack-to-Pot Ratio (SPR) entscheidet, welche Hände sich überhaupt für einen Stack-Off eignen. SPR berechnet sich aus Effective Stack ÷ Pot, jeweils gemessen am Anfang einer Strasse (typisch am Flop).

SPR-BereichTypische Pot-SituationGeeignete All-In-AktionBewertung
SPR < 13-Bet/4-Bet PotTop Pair Top Kicker, Overpairs, Sets, starke DrawsStack-Off Standard
SPR 1–3Single Raised Pot, knappes StackOverpairs, Top Pair Top Kicker, Combo DrawsHäufig korrekt
SPR 4–7Standard Cash GameSets und besser, Nut Draws + EquitySelektiv
SPR 8–12Tiefes Cash GameFlopped Sets, Nut Flush Draws + PairSelten
SPR > 13Deep Stack 200 BB+Nuts oder fast NutsNur mit Premium

Praktische Konsequenz: Top Pair Top Kicker (TPTK) ist bei SPR 1 ein sicherer Stack-Off, bei SPR 8 aber häufig ein Fold. Profis planen die SPR schon Pre-Flop – wer mit 100 BB Stack Premiums spielt, fördert mit grösseren Pre-Flop-Bets eine niedrige SPR und kann am Flop bequem pushen.

SPR-Daumenregel: Bei SPR ≤ 3 dürfen Sie mit jeder Top-Pair-Hand stacken, bei SPR ≥ 8 nur mit Sets und Combo-Draws. Dazwischen entscheidet die Range-Lesung.

Push/Fold Chart Short Stack (Nash-basiert)

Bei Stacks unter 15 Big Blinds gibt es im Heads-Up und in späten Turnierphasen kaum noch sinnvolle Post-Flop-Linien – Sie pushen oder folden Pre-Flop. Die folgende Tabelle ist eine vereinfachte Zusammenfassung der Nash-Equilibrium-Push-Ranges aus Standard-Solverarbeit (z.B. HoldemResources Calculator). Sie gilt für unopened pots: Sie sind der erste Spieler, der eine Aktion macht.

Position ≤ 5 BB 6–8 BB 9–11 BB 12–15 BB
UTG / EP 22+, A2s+, A7o+, K9s+, KTo+, QTs+, JTs 22+, A4s+, ATo+, KTs+, KQo, QJs 66+, A8s+, AJo+, KQs 88+, AJs+, AQo+
MP 22+, A2s+, A2o+, K2s+, K8o+, Q5s+, Q9o+, J7s+, T7s+ 22+, A2s+, A6o+, K7s+, KTo+, Q9s+, JTs 22+, A6s+, ATo+, KTs+, KJo+ 66+, A9s+, AJo+, KQs
CO 22+, A2s+, A2o+, K2s+, K6o+, Q3s+, Q8o+, J6s+, J9o+, T7s+, 97s+, 87s 22+, A2s+, A4o+, K6s+, K9o+, Q7s+, QTo+, J8s+, JTo, T8s+, 98s 22+, A2s+, A8o+, K8s+, KJo+, Q9s+, QJo, JTs 22+, A4s+, A9o+, KTs+, KQo, QJs
BTN Beliebig 2 (any-two ≤ 4 BB), darüber 22+, A2+, K2+, Q2s+, Q4o+, J2s+, J6o+, T3s+, T7o+, 95s+, 86s+, 76s 22+, A2+, K2s+, K4o+, Q4s+, Q8o+, J6s+, J9o+, T7s+, T9o, 97s+, 87s 22+, A2s+, A5o+, K6s+, K9o+, Q9s+, QTo+, J9s+, T9s 22+, A6s+, ATo+, K9s+, KJo+, QTs+, JTs
SB (Push vs BB) Any-two unter 4 BB, sonst 22+, A2+, K2+, Q2s+, Q5o+, J2s+, J7o+, T2s+, T7o+, 94s+, 85s+, 75s+, 65s 22+, A2+, K2s+, K5o+, Q4s+, Q7o+, J6s+, J8o+, T7s+, T9o, 97s+, 87s 22+, A2s+, A4o+, K6s+, K9o+, Q9s+, QTo+, JTs+ 22+, A8s+, ATo+, K9s+, KQo, QTs+, JTs

Die Tabelle wird mit sinkendem Stack looser (mehr Hände pushbar), weil die Blinds proportional grösser werden – die Fold Equity steigt, gleichzeitig schrumpft die Showdown-Equity weniger als die Pot-Grösse. Bei 4 BB pusht ein optimaler Spieler aus dem Small Blind praktisch jede zweite Hand.

Bankroll-Tipp: Wer Push-Fold-Spots seriös spielen will, sollte 100 Buy-Ins für das gewählte Turnier-Format einplanen. Bei einem 5 CHF Sit-and-Go entspricht das einer Bankroll von 500 CHF, bei einem 50 CHF MTT mindestens 5'000 CHF. Variance in 15-BB-Spots ist hoch – selbst optimal gespielte Pushes verlieren regelmässig fünfmal in Folge.

All-In im Multiway Pot

Ein häufiger Anfängerfehler ist, eine starke Hand wie K-K aus dem Heads-Up gleich auf Drei-Wege-Pots zu übertragen. Die Equity einer Hand sinkt mit jedem zusätzlichen Gegner: Pocket Kings haben Heads-Up gegen einen Random Range etwa 81 %, in einem Drei-Wege-Pot sinkt das auf ~ 67 %, im Vier-Wege-Pot weiter auf ~ 56 %. Aces fallen entsprechend von 85 % auf 73 % auf 65 %.

Hand Heads-Up vs Random vs 2 Gegner vs 3 Gegner vs 4 Gegner
A♠ A♥~ 85 %~ 73 %~ 64 %~ 56 %
K♠ K♥~ 82 %~ 68 %~ 57 %~ 49 %
A♠ K♠~ 67 %~ 49 %~ 38 %~ 31 %
7♠ 7♥~ 67 %~ 47 %~ 36 %~ 29 %
J♠ T♠~ 56 %~ 42 %~ 33 %~ 27 %

Die Quintessenz: Mittelhände wie 7-7 oder A-K sind im Multiway-Pot fast nie All-In-fähig Pre-Flop. Sie verlieren ihre nominelle Stärke durch die Vielzahl der Gegner-Ranges. Auch K-K wird gegen drei plus Gegner-Caller marginal – meist sitzt darunter mindestens ein A-x, und die Equity sinkt unter 60 %.

Online vs Live in der Schweiz

Online-Poker in der Schweiz ist seit dem Geldspielgesetz (Inkrafttreten 2019) nur noch über ESBK-konzessionierte Plattformen legal. Diese sind zugelassene Schweizer Casinos, die ihre Poker-Angebote unter einer separaten Spielbank-Konzession führen. Aktuelle Anbieter mit Poker-Räumen umfassen unter anderem MyCasino und Jackpots. Welche Räume genau Poker anbieten, ändert sich laufend – prüfen Sie aktuell den Bereich „Poker“ direkt auf der Casino-Plattform.

FaktorOnline (CH ESBK)Live (Casino-Pokerraum)
Hände pro Stunde60–90 (Single Table) bis 250+ (Multi-Tabling)20–35
Mindesteinsatz0,05/0,10 CHF in Cash Games1/2 CHF oder 2/5 CHF
Turnier-Buy-Insab 1 CHFtypisch ab 50 CHF
TellsTiming, Bet-Sizing, StatsKörpersprache, Atmung, Augenkontakt
Re-Entry / Re-BuyWährend Late Registration verfügbarHäufig nur bis Pause 1
SpielerprofilStärker, viele Multi-TablerMischung aus Recreationals und Regulars
Spielzeit-BonusCashback, Punkte, FreerollsSelten – nur Live-Promotionen
Mindestalter18 Jahre, ID-Verifikation Pflicht18 Jahre, ID-Kontrolle am Eingang

Konsequenz für die All-In Strategie: Im Online-Spiel sehen Sie pro Stunde dreimal so viele Hände wie live, das Sample wird also deutlich schneller signifikant. Gleichzeitig sind die Online-Player im Schnitt besser kalibriert – ein Light-3-Bet-Push gegen einen Online-Regular ist risikoreicher als gegen einen Live-Recreational im Casino Bern oder Lugano.

Schweiz-Spezifikum: Auf den ESBK-Plattformen ist nur Spiel unter Spielern derselben Plattform erlaubt. Eine Liquiditätsteilung mit dem internationalen Markt (PokerStars Global, GG Poker etc.) gibt es nicht. Das bedeutet kleinere Player Pools, dafür statistisch schwächere Felder als auf den globalen Sites.

ICM – wenn Chips ungleich gewichtet sind

In Cash Games entspricht jeder Chip einem festen Geldwert (1 Chip = 1 CHF). In Turnieren ist das nicht so: Wer den Stack verdoppelt, verdoppelt nicht das erwartete Preisgeld. Der Grund liegt in der gestaffelten Auszahlungstruktur – nur der Sieger nimmt den vollen ersten Preis, alle anderen weniger. Das Independent Chip Model (ICM) rechnet Chip-Stacks in Equity am Preispool um.

Was ist ICM? ICM (Independent Chip Model) ist die mathematische Methode, mit der man Chips in Turnieren in echtes Preisgeld umrechnet. Da der nächste gewonnene Chip weniger zusätzlichen Preis bringt als der nächste verlorene Chip kostet, sind alle All-Ins in der Endphase eines Turniers unter ICM-Druck konservativer zu spielen als nach reiner Chip-EV.

ICM-Beispiel an der Bubble

Stellen Sie sich vor: Sie spielen ein 9-Player-Sit-and-Go mit Auszahlung 50 % / 30 % / 20 %. Vier Spieler sind übrig, drei werden bezahlt – Sie sind genau an der Bubble. Ihr Stack ist mit den anderen vergleichbar. Ein Chip-EV-positiver Push (z.B. AT mit 51 % Equity gegen die Range) kann unter ICM negativ werden, weil ein Bust-Out 100 % der Min-Cash-Auszahlung kostet, ein Sieg aber nur einen Bruchteil zusätzlich bringt.

Stack-Verteilung (BB)Chip-EV All-In ATICM-EV All-In ATEmpfehlung
25 / 25 / 25 / 25 (Bubble)+1,8 BB−0,9 BBFold
10 / 30 / 30 / 30 (du Short)+2,1 BB+1,4 BBPush
40 / 25 / 20 / 15 (du Big)+1,5 BB+0,3 BBEng pushen
15 / 15 / 35 / 35 (Mid)+1,6 BB+0,2 BBEng spielen

Lesart: Die gleiche Hand, dieselben Karten, derselbe Showdown-Wert – aber abhängig von Stacks und Auszahlung kann sie ein klarer Push oder ein klarer Fold sein. Profis lernen ICM mit Tools wie ICMIZER oder HoldemResources Calculator und übersetzen die Ergebnisse in leicht engere Push-Ranges, sobald Final-Table-Sprünge anstehen.

ICM-Falle: Ein Big Stack an der Bubble darf looser pushen, weil der Big-Stack-Druck die Caller-Range der Mid-Stacks zwingt, sich zu verengen. Wer als Big Stack zu eng spielt, verschenkt blinden Profit – wer als Mid-Stack zu loose callt, verschenkt Min-Cash-Equity.

Typische All-In Fehler – und wie Sie sie vermeiden

Häufiger FehlerKonsequenzKorrektur
All-In aus Frust nach Bad BeatTilt-Spirale, Stack wegPause, mindestens 15 Minuten weg vom Tisch.
Mittelpaar (66–TT) im Multiway pushenEquity zerfällt mit jedem CallerSet-Mining, Pot Control, max. 1 Caller.
SPR ignorierenTop Pair zu hoch bewertetVor jedem Flop SPR rechnen.
Position ignorierenEP-All-Ins werden gecalltPush-Range nach Position abstufen (siehe Chart).
Pure Bluff ohne Range-ReadHero Call durch loose CallerBluffs nur gegen klar fold-tighte Profile.
Kein Stop-LossGesamte Bankroll an einem Abend gefährdetSession-Limit definieren (z.B. 3 Buy-Ins).
Tells ignorieren (Live)Information liegen lassenBewusst auf Atmung, Hände und Timing achten.
Online: Auto-Top-up anVerluste werden automatisch nachgeladenAuto-Top-up deaktivieren, Budget setzen.
Verantwortungsvolles Spiel: Wenn Sie merken, dass Sie All-Ins nicht mehr aus strategischen, sondern aus emotionalen Gründen wählen, ist das ein klares Warnsignal. Schweizer ESBK-konzessionierte Casinos bieten Einzahlungslimits, Cool-off-Phasen und Selbstausschluss – nutzen Sie diese Werkzeuge, bevor das Problem grösser wird. Mehr dazu im Artikel Verantwortungsvolles Spielen.

Empfehlenswert vorher lesen:

❓ Häufige Fragen zur All-In Strategie

Was bedeutet All-In beim Poker genau?

All-In bedeutet, dass ein Spieler alle verbleibenden Chips in einer einzigen Aktion in den Pot setzt. Er kann nur noch um den Pot-Anteil spielen, den er selbst abgedeckt hat (Main Pot). Weitere Einsätze der anderen Spieler bilden Side Pots, an denen der All-in-Spieler nicht beteiligt ist.

Wann ist ein All-In strategisch sinnvoll?

All-In ist sinnvoll bei sehr starken Starthänden (AA, KK, QQ, AK), als Short-Stack mit weniger als 10–15 Big Blinds oder als Semi-Bluff mit einem starken Draw. In späten Turnierphasen kann auch ein gut getimtes All-In mit schwächerer Hand profitabel sein, wenn man Fold Equity nutzt.

Was sind Main Pot und Side Pots?

Wenn ein Spieler All-In geht und andere Spieler noch mehr Chips haben, entstehen getrennte Pots. Der Main Pot enthält nur die Chips, die alle beteiligten Spieler vollständig abgedeckt haben. Höhere Einsätze bilden Side Pots – der All-in-Spieler kann an diesen nicht gewinnen.

Was ist Fold Equity und warum ist sie wichtig?

Fold Equity ist die Wahrscheinlichkeit, dass Gegner nach einem All-In folden. Mit Fold Equity gibt es zwei Wege zu gewinnen: durch das Folden des Gegners oder im Showdown. Je höher die Fold Equity, desto profitabler können auch schwächere Hände für ein All-In sein.

Was sind die häufigsten Fehler beim All-In?

Die häufigsten Fehler sind: zu häufige All-Ins mit mittelmässigen Händen, Ignorieren der Tischposition, Ungeduld bei langen Karten-Flauten sowie All-In aus Frust (Tilt). Ausserdem unterschätzen viele Spieler die Bedeutung des Stack-to-Pot Ratio (SPR) bei der All-In-Entscheidung.

Was ist ICM und wie beeinflusst es All-In Entscheidungen?

ICM (Independent Chip Model) ist ein Modell, das den Wert von Chips in Turnieren in echtes Preisgeld umrechnet. Da Chips in der Endphase eines Turniers ungleich gewichtet sind (gewonnene Chips bringen weniger zusätzliches Preisgeld als verlorene Chips kosten), muss man enger spielen. Ein mathematisch profitables Cash-Game-All-In kann unter ICM-Druck deutlich verlustreich sein.

Wie hoch muss meine Fold Equity sein, damit ein All-In profitabel ist?

Die nötige Fold Equity hängt von Ihrer Equity am Showdown und vom Pot-Risiko-Verhältnis ab. Faustregel: Bei einer reinen Bluff-Push (0 % Showdown-Equity) brauchen Sie eine Fold-Equity gleich Risk / (Risk + Pot). Bei 50 CHF Push in 50 CHF Pot also 50 % Folds. Mit zusätzlicher Showdown-Equity (etwa Flush Draw mit 35 %) sinkt die nötige Fold Equity oft auf 20–30 %.

Wann darf man im Online-Turnier Re-Entry oder Re-Buy nutzen?

Re-Entry und Re-Buy sind nur in dafür ausgewiesenen Turnierformaten erlaubt – meist nur während der ersten Stunde (Late Registration) oder bei Re-Buy-Turnieren bis zur ersten Pause. Schweizer ESBK-konzessionierte Online-Plattformen wie MyCasino oder Jackpots zeigen diese Optionen direkt im Turnier-Lobby-Eintrag an. Nach dem Re-Entry-Fenster ist ein Bust-Out endgültig.

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