Steuern auf Casino-Gewinne in der Schweiz: ESBK-Konzession, 1-Million-Schwelle und Verrechnungssteuer
Wer in einem Schweizer Casino oder bei einer Schweizer Lotterie einen grösseren Gewinn erzielt, fragt sich zu Recht: Wie viel davon darf ich behalten – und was schuldet das Steueramt? Die Antwort ist seit Inkrafttreten des Bundesgesetzes über Geldspiele (BGS) am 1. Januar 2019 klarer als früher: Gewinne aus ESBK-konzessionierten Anbietern sind weitgehend steuerfrei, allerdings nur bis zu einer Schwelle von CHF 1'000'000 pro Gewinn-Event. Darüber greift ein klares Verrechnungssteuer-Regime von 35 Prozent.
Dieser Ratgeber erklärt die Rechtsgrundlagen (Direktes Bundessteuergesetz Art. 24c, Verrechnungssteuergesetz), die praktische Handhabung und die Unterschiede zwischen ESBK-Konzessionären, Schweizer Lotterien und unregulierten Offshore-Anbietern. Sie erfahren, wie Sie Gewinne korrekt deklarieren, welche Belege Sie aufbewahren müssen und wie Sie eine zu Unrecht einbehaltene Verrechnungssteuer zurückfordern.
💰 Steuerstatus im Überblick
Die Schweiz behandelt Gewinne aus konzessionierten Geldspielen seit der BGS-Reform sehr spielerfreundlich: Bis zur Millionenschwelle bleibt der Gewinn vollständig in Ihrer Tasche. Drei Stufen prägen die Realität eines Spielers:
Bis CHF 1'000'000
0% Steuer
Aus ESBK-konzessionierten Spielbanken (landbasiert oder Online-Konzession A/B) sowie aus konzessionierten Schweizer Lotterien (Swisslos, Loterie Romande). Keine Deklaration nötig, kein Steuerabzug.
Über CHF 1'000'000
35% Verrechnungssteuer
Nur auf den überschiessenden Betrag. Wird direkt von der Spielbank einbehalten und an die ESTV abgeführt. Mit korrekter Deklaration in der Steuererklärung rückforderbar (verrechnet mit regulärer Einkommenssteuer).
Offshore-Casinos
Voll steuerpflichtig
Kein Freibetrag. Gilt als Einkommen gemäss Art. 23 lit. e DBG und wird mit dem regulären Einkommenssteuersatz Ihres Kantons (12–30%) belastet. Zusätzlich: kein Schweizer Spielerschutz, kein BGS-Schutz, mögliche Bank-Geldwäscherei-Prüfungen.
⚖️ Welche Anbieter bieten CH-Steuerfreiheit?
Nicht jeder Casino-Gewinn ist gleich. Entscheidend ist die rechtliche Stellung des Anbieters: Hat er eine Schweizer Konzession – und welche? Die folgende Tabelle ordnet die Anbieter-Typen mit den jeweiligen Steuerregeln ein.
| Anbieter-Typ | Rechtsgrundlage | Schwelle steuerfrei | Über Schwelle | Regulator |
|---|---|---|---|---|
| ESBK-Konzessioniert (CH-Spielbanken landbasiert + Online-Konzessionen A/B) | BGS Art. 16; DBG Art. 24c | CHF 1'000'000 pro Gewinn-Event | 35% Verrechnungssteuer (rückforderbar) | ESBK (Eidg. Spielbankenkommission) |
| Schweizer Lotterien (Swisslos, Loterie Romande) | BGS Art. 22; DBG Art. 24c | CHF 1'000'000 pro Lotterie-Gewinn | 35% Verrechnungssteuer (rückforderbar) | Interkantonale Geldspielaufsichtsbehörde (Gespa) |
| Schweizer Sportwetten-Konzessionäre (Sporttip, PMU Romand) | BGS Art. 22; DBG Art. 24c | CHF 1'000'000 pro Wett-Event | 35% Verrechnungssteuer (rückforderbar) | Gespa |
| Offshore-Anbieter (Malta, Curaçao, Gibraltar etc.) | Kein CH-Schutz; DBG Art. 23 lit. e | Keine | Voll steuerpflichtig (Einkommenssteuer 12–30%) | Kein Schweizer Regulator; ESBK-Sperrliste |
| Geschicklichkeitsspiele (Poker-Turniere ausserhalb Spielbank, eSports) | DBG Art. 23 lit. e (Streitfrage) | Variabel; oft als Einkommen behandelt | Voll mit Einkommenssteuer | Fall-zu-Fall (Treuhänder fragen) |
Die ESBK-konzessionierten Online-Anbieter sind im Grundsatz dieselben Marken, die auch landbasierte Spielbanken in der Schweiz betreiben. Aktuell handelt es sich um eine zweistellige Anzahl an Konzessionären – die offizielle Liste pflegt die ESBK auf esbk.admin.ch. Beispiele bekannter Schweizer Marken sind unter anderem Swiss Casinos, MyCasino, Jackpots, 7Melons, Casino777 und StarVegas. Diese Anbieter sind durch die BGS-Reform ans Schweizer Steuerregime gekoppelt – Ihre Gewinne unter CHF 1'000'000 sind bei ihnen steuerfrei.
📊 Die 1-Million-CHF-Schwelle: Wie sie wirklich funktioniert
Die Schwelle von CHF 1'000'000 ist in Art. 24c des Direkten Bundessteuergesetzes (DBG) verankert. Sie wirkt als Freibetrag pro Gewinn-Event – nicht als Jahresgrenze und nicht als Spieler-Lebensgrenze. Ein „Gewinn-Event" ist die Auszahlung aus einem einzelnen Spiel oder einer einzelnen Lotterie-Ziehung.
| Szenario | Gewinn-Höhe | Steuerfreier Anteil | Steuerpflichtiger Anteil | Verrechnungssteuer (35%) | Netto vor Rückforderung |
|---|---|---|---|---|---|
| Slot-Jackpot online | CHF 250'000 | CHF 250'000 | CHF 0 | CHF 0 | CHF 250'000 |
| Roulette-Serie an einem Abend | CHF 850'000 | CHF 850'000 | CHF 0 | CHF 0 | CHF 850'000 |
| Mega-Jackpot Spielbank | CHF 1'500'000 | CHF 1'000'000 | CHF 500'000 | CHF 175'000 | CHF 1'325'000 |
| Swisslos-Lotterie | CHF 5'000'000 | CHF 1'000'000 | CHF 4'000'000 | CHF 1'400'000 | CHF 3'600'000 |
| Zwei separate Gewinne im Jahr | 2× CHF 800'000 | CHF 1'600'000 (gesamt) | CHF 0 | CHF 0 | CHF 1'600'000 |
Beachten Sie das fünfte Beispiel: Wer in einem Jahr zwei separate Gewinne von je CHF 800'000 erzielt (etwa zwei Spielbankenjackpots in zwei verschiedenen Casinos oder zwei Lottoauszahlungen), bleibt vollständig steuerfrei – beide Events liegen einzeln unter der Schwelle. Diese Logik ist ausdrücklich in der ESTV-Praxis dokumentiert und im DBG verankert.
🏛️ Verrechnungssteuer erklärt: Was 35 Prozent wirklich bedeuten
Die Verrechnungssteuer ist eine spezifische Schweizer Quellensteuer, geregelt im Verrechnungssteuergesetz (VStG). Sie wird vom Bund direkt an der Quelle einbehalten – im Casino-Kontext also bevor das Geld den Spieler erreicht. Der Steuersatz auf Geldspiel-Gewinne über der Millionenschwelle beträgt einheitlich 35 Prozent.
Rechenbeispiel: Gewinn CHF 1'500'000
Die Verrechnungssteuer ist keine endgültige Steuer, sondern eine Sicherungssteuer. Sie stellt sicher, dass der Bund Zugriff auf den Steueranspruch erhält, bevor der Gewinn beim Spieler ankommt. In der Steuererklärung verrechnen Sie diese 35 Prozent mit Ihrer regulären Einkommenssteuer:
- Liegt Ihre tatsächliche Einkommenssteuer auf den Mehrgewinn unter 35 Prozent (was bei niedrigeren Kantonssteuern und unter Ausnutzung der Progression typisch ist), erhalten Sie die Differenz zurück.
- Liegt sie über 35 Prozent (selten in der Schweiz – nur in den höchstbesteuernden Kantonen mit Spitzensätzen erreichbar), zahlen Sie zusätzlich nach.
- Versäumen Sie die Deklaration, verfällt der Rückforderungsanspruch nach drei Jahren – die 35 Prozent sind dann verloren.
Ablauf bei einem Gewinn über CHF 1'000'000
- KYC-Abschluss: Spielbank verifiziert Ihre Identität (Pass, Wohnsitzkantonsbestätigung, Bankkonto im selben Namen). Ohne abgeschlossene KYC keine Auszahlung über CHF 1'000.
- Form 35 / Form 35 RD: Die Spielbank stellt das Formular aus, das den Bruttogewinn, den Freibetrag, die Bemessungsgrundlage und die einbehaltene Verrechnungssteuer dokumentiert. Original an Sie, Kopie an die Eidg. Steuerverwaltung (ESTV).
- Auszahlung Netto: Sie erhalten den Bruttogewinn abzüglich der 35 Prozent auf den Anteil über der Schwelle. In der oben gezeigten Rechnung wären das CHF 1'325'000 von ursprünglich CHF 1'500'000.
- Steuererklärung im Folgejahr: Sie deklarieren den Bruttogewinn als „Geldspielgewinn" und tragen die einbehaltene Verrechnungssteuer im Wertschriftenverzeichnis (Formular DA-1 in einigen Kantonen) ein. Die Form-35-Bescheinigung wird beigelegt.
- Rückzahlung: Die kantonale Steuerverwaltung verrechnet die einbehaltene Verrechnungssteuer mit Ihrer Einkommenssteuer und überweist die Differenz zurück (oder verlangt eine Nachzahlung, falls Ihr Steuersatz höher ist).
| Belege, die Sie zwingend aufbewahren | Wer stellt aus | Wozu |
|---|---|---|
| Casino-Gewinnbestätigung (Spielprotokoll) | Spielbank | Nachweis Höhe und Datum des Events |
| Auszahlungs-Beleg (Bank-/Kassenbeleg) | Spielbank + eigene Bank | Nachweis Netto-Auszahlung, Geldfluss |
| Form 35 / Form 35 RD (Verrechnungssteuer-Beleg) | Spielbank → ESTV-Kopie | Pflichtdokument für Rückforderung |
| KYC-Auszüge / Identitätsverifikations-Bestätigung | Spielbank | Nachweis ordnungsgemässer Identifikation |
| Bank-Kontoauszug mit Eingang | Eigene Bank | Nachweis Geldeingang im Spielername |
| Spielverlaufs-Historie (Online-Casino) | Spielbank-Spielerkonto | Optional, bei Rückfragen der ESTV oder Bank-AML |
📝 Wie deklariere ich Casino-Gewinne in der Steuererklärung?
Die Deklaration hängt davon ab, ob der Gewinn unter oder über der Millionenschwelle lag und ob er aus einem ESBK-Konzessionär oder einem Offshore-Anbieter stammt. Hier die drei Standardfälle:
Fall 1: ESBK-Gewinn unter CHF 1'000'000
- Keine Deklarationspflicht im Bundessteuerbereich.
- Vermögenszuwachs erscheint im Wertschriftenverzeichnis ohnehin als Bankguthaben – das ist normal.
- Auf Nachfrage des Steueramtes (sehr selten): Casino-Bestätigung als Herkunftsnachweis vorlegen.
Fall 2: ESBK-Gewinn über CHF 1'000'000
- Bruttogewinn als „übrige Einkünfte" oder „Geldspielgewinn" deklarieren (Bezeichnung kantonal unterschiedlich).
- Form-35-Beleg im Wertschriftenverzeichnis als anrechenbare Verrechnungssteuer eintragen.
- Vermerken: „Schweizer ESBK-Konzessionär – Freibetrag CHF 1'000'000 nach DBG Art. 24c angewendet".
Fall 3: Offshore-Gewinn (jede Höhe)
- Bruttogewinn vollständig als Einkommen deklarieren (Position „andere Einkünfte" / „Spielgewinne aus ausländischen Anbietern").
- Keine Verrechnungssteuer-Anrechnung möglich.
- Wechselkurs zum Auszahlungstag verwenden, falls in EUR/USD ausgezahlt.
- Eventuell zusätzliche kantonale Begleitformulare (z.B. „Zusatzformular für Geldspielgewinne aus dem Ausland").
Empfehlenswert vorher lesen:
🚫 Gewinne aus Offshore-Casinos: Doppelter Nachteil
Wer trotz ESBK-Sperrliste bei einem Offshore-Casino spielt (etwa über VPN oder über einen Anbieter, der die DNS-Sperre umgeht), riskiert nicht nur den Verlust des Spielerschutzes – sondern auch einen erheblichen Steuernachteil. Die Rechtsgrundlage: DBG Art. 23 lit. e definiert „Erträge aus Spielen oder Lotterien" als steuerbares Einkommen, sofern keine Spezialnorm (wie Art. 24c) greift.
| Aspekt | ESBK-konzessioniert | Offshore-Anbieter |
|---|---|---|
| Steuerstatus | Steuerfrei bis 1 Mio | Voll steuerpflichtig (alle Beträge) |
| Spielerschutz nach BGS | Garantiert (Selbstsperre, Limits) | Keiner |
| Auszahlungs-Garantie | Schweizer Aufsicht ESBK | Nur Ausland-Lizenz (variabel) |
| Rechtsweg bei Streit | Schweizer Zivil- und Aufsichtsrecht | Auslands-Schiedsgericht (oft Malta, Curaçao) |
| Bank-Akzeptanz | Standard, kein AML-Verdacht | Häufig Geldwäscherei-Prüfungen bei Eingängen |
| Effektive Steuerlast bei CHF 50'000 Gewinn | 0 CHF (steuerfrei) | CHF 6'000 – CHF 15'000 (kantonal, 12–30%) |
Praktisch heisst das: Selbst wenn ein Offshore-Anbieter scheinbar attraktivere Boni oder höhere Quoten anbietet, wird der scheinbare Vorteil durch die volle Einkommensbesteuerung der Gewinne mehr als kompensiert. Hinzu kommen die Rechtsrisiken bei Auszahlungsstreitigkeiten – ein Gerichtsverfahren in Curaçao oder Malta ist für einen Schweizer Privatspieler praktisch nicht durchsetzbar. Die Empfehlung der ESBK und seriöser Steuerberater ist eindeutig: bei ESBK-konzessionierten Anbietern bleiben.
🎟️ Lottogewinne und Sportwetten: Eigene Schwelle, gleiche 35%
Schweizer Lotterie- und Sportwetten-Gewinne folgen dem gleichen Steuerregime wie Spielbanken-Gewinne, haben aber eine eigene Millionenschwelle pro Gewinn-Event. Die Konzessionäre sind:
- Swisslos (Deutschschweiz, Tessin) – betreibt Swiss Lotto, EuroMillions, Sporttip, Win for Life, Trio Magic etc.
- Loterie Romande (Westschweiz) – betreibt Loterie à numéros, EuroMillions, Sport-Pari, Tribolo etc.
- PMU Romand – Pferderennwetten in der Westschweiz.
Beide Anbieter sind durch die Interkantonale Geldspielaufsichtsbehörde (Gespa) reguliert. Der gleiche Freibetrag von CHF 1'000'000 pro Gewinn-Event greift hier wie bei den Spielbanken. Wer bei Swisslos beispielsweise einen EuroMillions-Hauptgewinn von CHF 50 Mio. erzielt, erhält netto:
Bei Sportwetten-Konzessionären (Sporttip, PMU Romand) gilt die gleiche Logik – pro einzelner Wett-Event (= ein Wett-Schein mit einem konkreten Spielergebnis) bis CHF 1'000'000 steuerfrei, darüber 35 Prozent. Wer hingegen bei einem Offshore-Buchmacher (z.B. Bet365 oder bwin in einer Konstellation, in der diese keine Schweiz-Erlaubnis haben) wettet, fällt unter Art. 23 lit. e DBG: voll steuerpflichtige Einkünfte.
🗺️ Steuerunterschiede nach Kanton
Die Verrechnungssteuer wird auf Bundesebene erhoben – das gilt einheitlich. Die kantonale Einkommenssteuer, mit der die Verrechnungssteuer letztlich verrechnet wird (und die bei Offshore-Gewinnen direkt greift), unterscheidet sich jedoch erheblich. Die Spitzensätze für die Einkommenssteuer (Bund + Kanton + Gemeinde) bewegen sich grob in folgenden Bandbreiten:
| Kanton | Spitzensatz Einkommenssteuer (Bund + Kanton + Gemeinde, ca.) | Bemerkung |
|---|---|---|
| Zug | ~ 22% | Tiefste Belastung in der Schweiz |
| Schwyz | ~ 23% | Tiefe Pauschalbesteuerung |
| Nidwalden | ~ 24% | Innerschweizer Steuerwettbewerb |
| Luzern, Obwalden | ~ 25–26% | Mittel |
| Zürich | ~ 28–32% | Stark gemeindeabhängig |
| Basel-Stadt, Bern | ~ 30–33% | Höhere kantonale Sätze |
| Genf, Waadt | ~ 32–35% | Spitzenprogression |
| Neuenburg, Jura | ~ 35–40% | Höchste Belastung Westschweiz |
Diese Übersicht ist eine grobe Orientierung. Konkrete Sätze hängen von Einkommen, Familienstand, Wohngemeinde und individuellen Abzügen ab – exakte Werte liefern nur die offiziellen kantonalen Steuerrechner (estv.admin.ch oder die jeweilige Kantons-Webseite).
🌍 Vergleich: Schweiz vs. Deutschland, Österreich, Italien
Die Schweiz ist im internationalen Vergleich für Spieler steuerlich sehr attraktiv. Die folgende Tabelle ordnet das CH-Regime im DACH-Raum und in Italien ein:
| Land | Steuerregime für Casino-Gewinne | Freibetrag | Quellensteuer | Bemerkung |
|---|---|---|---|---|
| Schweiz (CH) | Steuerfrei bei Konzessionären | CHF 1'000'000 pro Event | 35% darüber (rückforderbar) | Spielerfreundlichstes Regime DACH |
| Deutschland (DE) | Spielergewinne grds. steuerfrei (kein Einkommen i.S.d. EStG) | — | — | Aber: 5% Online-Glücksspielsteuer auf Einsätze (Anbieter-Last, mittelbar Spieler) |
| Österreich (AT) | Steuerfrei (Glücksspielmonopol; Casinos Austria zahlt Konzessionsabgabe) | — | — | Für Spieler keine direkte Steuer |
| Italien (IT) | Quellensteuer auf Auszahlungen, gestaffelt nach Spielart | Sehr niedrig (z.B. EUR 500) | 12–25% direkt einbehalten | Höchste Belastung in der Region |
| Frankreich (FR) | Casino-Gewinne: i.d.R. steuerfrei; Pokerprofi-Einkommen: ja | — | Variabel | Kompliziert bei Berufsspielern |
Die Schweiz ist damit der einzige DACH-Staat, der gleichzeitig einen klaren Freibetrag von einer Million CHF und ein einfaches Verrechnungssteuer-Regime darüber bietet – ohne komplizierte Spielarten-Differenzierung wie in Italien. Diese Klarheit ist mit ein Grund, warum die ESBK-Konzession ein attraktives Modell für Anbieter und Spieler darstellt.
👔 Hilfe vom Treuhänder oder Steuerberater
Bei kleineren Gewinnen unter CHF 1'000'000 aus ESBK-Anbietern ist eine professionelle Beratung überflüssig – die Steuerfreiheit ist eindeutig. Sobald jedoch eine der folgenden Konstellationen eintritt, lohnt sich der Kontakt zu einem Treuhänder oder Steuerberater:
- Gewinn über CHF 1'000'000 (Verrechnungssteuer-Rückforderung optimieren).
- Mehrere Gewinne im selben Jahr, die zusammen einen erheblichen Vermögenssprung verursachen (Vermögenssteuer-Optimierung).
- Gewinne aus Offshore-Anbietern – komplexe Deklaration, Wechselkursfragen, mögliche Doppelbesteuerungs-Problematik.
- Geschicklichkeitsspiele wie Poker-Turniere ausserhalb von Spielbanken oder eSports-Preisgelder – hier sind die Auslegungen kantonal unterschiedlich, und ein Berufsspieler-Status kann zusätzliche AHV-Abgaben nach sich ziehen.
- Wohnsitzwechsel im Gewinnjahr – betrifft die Frage, welcher Kanton den Gewinn besteuert und welche Frist für die Verrechnungssteuer-Rückforderung gilt.
- Erbschaft eines Lottoscheins oder Übertragung des Anspruchs vor Auszahlung – hier entstehen Schenkungs- und Erbschaftssteuer-Fragen.
Schweizer Steuerberater berechnen pauschal CHF 200–400 pro Stunde; eine spezifische Casino-Gewinn-Beratung schlägt typischerweise mit CHF 800–2'000 zu Buche – ein Bruchteil dessen, was eine fehlerhafte Deklaration kosten kann. Empfehlenswert sind auch die kostenlosen Auskunfts-Services der kantonalen Steuerverwaltungen (oft per E-Mail oder Telefon erreichbar) für allgemeine Vorab-Fragen.
📚 Offizielle Quellen und weiterführende Links
- ESTV – Eidgenössische Steuerverwaltung: estv.admin.ch – Kreisschreiben zur Verrechnungssteuer auf Geldspielgewinne, Wegleitungen zur Deklaration.
- ESBK – Eidgenössische Spielbankenkommission: esbk.admin.ch – Liste der konzessionierten Spielbanken (A/B), Online-Konzessionen, Sperrliste illegaler Anbieter.
- Direktes Bundessteuergesetz (DBG): Art. 23 lit. e (Spiel-Erträge als Einkommen), Art. 24c (Steuerfreiheit für ESBK- und Lotterie-Gewinne bis CHF 1'000'000).
- Verrechnungssteuergesetz (VStG): Regelt 35% Quellensteuer auf Geldspielgewinne über der Schwelle.
- Bundesgesetz über Geldspiele (BGS): in Kraft seit 1.1.2019, definiert Konzessionsregime und Spielerschutz.
- Kantonale Steuerverwaltungen: Eigene Wegleitungen für die Deklaration von Geldspielgewinnen – via Kantons-Webseite zugänglich.
- Gespa – Interkantonale Geldspielaufsichtsbehörde: gespa.ch – Aufsicht über Lotterien und Sportwetten.
❓ Häufige Fragen zur Casino-Besteuerung in der Schweiz
Sind alle Casino-Gewinne in der Schweiz steuerfrei?
Nein. Steuerfrei sind nur Gewinne aus ESBK-konzessionierten Schweizer Spielbanken (landbasiert und Online-Konzessionen) bis CHF 1'000'000 pro einzelnen Gewinn-Event. Über dieser Schwelle fallen 35 Prozent Verrechnungssteuer auf den überschiessenden Teil an. Gewinne aus Schweizer Lotterien (Swisslos, Loterie Romande) und Sportwetten haben eine eigene CHF 1'000'000-Schwelle. Gewinne aus Offshore-Casinos sind hingegen voll steuerpflichtig und unterliegen Ihrer kantonalen Einkommenssteuer.
Was ist die Verrechnungssteuer im Casino-Kontext?
Die Verrechnungssteuer ist eine Quellensteuer von 35 Prozent, die der Schweizer Bund direkt von der Spielbank einzieht, sobald Sie einen einzelnen Gewinn über CHF 1'000'000 erzielen. Sie wird nur auf den Betrag erhoben, der über der Schwelle liegt. Der einbehaltene Betrag ist eine Vorauszahlung auf Ihre Einkommenssteuer und kann mit der Steuererklärung bei der kantonalen Steuerverwaltung zurückgefordert werden, sofern der Gewinn ordnungsgemäss deklariert wird. Rechtsgrundlage: Verrechnungssteuergesetz (VStG).
Muss ich Sportwetten-Gewinne deklarieren?
Sportwetten-Gewinne aus Schweizer konzessionierten Anbietern (z.B. Swisslos Sporttip, PMU Romand) sind bis CHF 1'000'000 pro Gewinn-Event steuerfrei. Über dieser Schwelle gilt das gleiche 35-Prozent-Verrechnungssteuer-Regime wie bei Lotterien. Wetten bei Offshore-Buchmachern (egal ob legal in deren Land oder nicht) sind in der Schweiz voll als Einkommen unter Art. 23 lit. e DBG steuerpflichtig und müssen in der Steuererklärung angegeben werden.
Was passiert wenn ich bei einem Offshore-Casino gewinne?
Aus Schweizer Steuersicht sind Gewinne aus nicht-konzessionierten Offshore-Casinos voll steuerpflichtige Einkünfte gemäss Art. 23 lit. e DBG. Sie müssen in der Steuererklärung deklariert und mit Ihrem regulären Einkommenssteuersatz versteuert werden – ohne 1-Mio-Freibetrag. Hinzu kommt: Sie haben keinen Schweizer Spielerschutz, das Casino ist gemäss BGS in der Schweiz nicht zugelassen, und bei grösseren Einzahlungen prüft die Bank gegebenenfalls Geldwäscherei-Verdachtsmomente. Aus rechtlicher und steuerlicher Sicht ist Spielen bei ESBK-Konzessionären dringend zu empfehlen.
Wie hole ich die einbehaltene Verrechnungssteuer zurück?
Bei einem Gewinn über CHF 1'000'000 stellt die Spielbank automatisch das Formular 35 (oder Form 35 RD bei Online-Casinos) aus und übermittelt die einbehaltenen 35 Prozent direkt an die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV). In Ihrer kantonalen Steuererklärung deklarieren Sie den Bruttogewinn und tragen den Verrechnungssteuer-Beleg im entsprechenden Wertschriftenverzeichnis ein. Die Rückzahlung erfolgt entweder durch direkte Überweisung oder durch Verrechnung mit der geschuldeten Einkommenssteuer. Ohne Deklaration verfällt der Anspruch nach drei Jahren.
Gilt die 1-Mio-Schwelle pro Gewinn oder pro Jahr?
Pro einzelnen Gewinn-Event, nicht pro Jahr. Wenn Sie zweimal in einem Jahr je CHF 800'000 gewinnen, sind beide Gewinne vollständig steuerfrei (jeder einzeln unter der Schwelle). Gewinnen Sie hingegen einmalig CHF 1'200'000, sind CHF 200'000 mit 35 Prozent Verrechnungssteuer belastet (CHF 70'000), die Sie via Steuererklärung zurückfordern können. Diese Logik ist in Art. 24c DBG sowie in der Praxis der ESTV dokumentiert.
Werden meine kleinen Casino-Gewinne ans Steueramt gemeldet?
Bei Gewinnen unter CHF 1'000'000 aus ESBK-konzessionierten Anbietern erfolgt keine automatische Meldung an die kantonale Steuerverwaltung – diese Gewinne sind ohnehin steuerfrei. Allerdings sind Schweizer Banken zu Geldwäscherei-Prüfungen verpflichtet, sobald grössere Einzahlungen aus dem Ausland eintreffen. Bei Offshore-Gewinnen entsteht Ihre Deklarationspflicht spätestens dann, wenn der Betrag in der Schweiz auf einem Bankkonto sichtbar wird. Für ESBK-Konzessionäre gilt: korrekte Deklaration ab CHF 1'000'000 ist Pflicht.